Geschichte

Unsere Geschichte

Boxtradition in Hamburg seit 1920



Seit 1920 steht die Boxabteilung der SV Polizei Hamburg für sportliche Ausbildung, Wettkampferfolg und Gemeinschaft. Aus wechselnden Trainingsräumen der Anfangsjahre entstand eine traditionsreiche Abteilung, deren feste Heimat seit 1952 die Haubachstraße in Hamburg-Altona ist.

Von Hamburger Meisterschaften über Jugend-Olympiagold bis zu Olympia und einem WBA-Weltmeisterschaftskampf: Die Geschichte der Abteilung verbindet lokale Verwurzelung mit internationalem Sport.

Geschichte der Boxabteilung

1920–1952

Von der Gründung zur Haubachstraße

Die Boxabteilung der Sportvereinigung Polizei Hamburg von 1920 e. V. gehört zu den traditionsreichsten Boxvereinen der Hansestadt. Der Gesamtverein wurde am 28. Mai 1920 als Sportabteilung der Hamburger Sicherheitspolizei gegründet. Boxen gehörte von Beginn an zu den ersten Sparten.

In den Anfangsjahren wechselten die Trainingsstätten mehrfach. Die Boxer trainierten in Rothenburgsort, Barmbek und Hammerbrook, später in einer Kaserne an der Bundesstraße. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Übungsbetrieb in einem Bunker am Heußweg fortgesetzt. Nach Kriegsende diente zunächst ein Keller im Sprinkenhof als Trainingsraum. 1945 war der Gesamtverein aufgelöst worden; am 3. Juni 1946 erfolgte die offizielle Neugründung.

1952 bezog die Boxabteilung ihre Halle in der Haubachstraße 62 in Hamburg-Altona. Damit erhielt sie eine feste sportliche Heimat, die bis heute eng mit dem Namen SV Polizei Hamburg Boxen verbunden ist. Zu den bekannten Kämpfern der Vorkriegszeit zählten Hermann Krause, Hanne Wichmann, Adi Baumgarten, Hein ten Hoff, Richard Grupe und Kuddl Schmidt.

1953–1980er

Meister, Trainer und prägende Generationen

Eine besonders erfolgreiche Ära begann 1953 mit Heini Meinhardt. Als Junior gewann er zunächst die Hamburger und die Norddeutsche Meisterschaft, wurde später mehrfach Deutscher Meister und setzte seine Laufbahn erfolgreich im Profiboxen fort. Auch nach seiner aktiven Zeit blieb er der Abteilung eng verbunden.

Die 1950er- und 1960er-Jahre wurden von Boxern wie Werner Minuth, Gerhardt und Heino Dohrmann, Ingo Breustedt, Herbert Lange, Helmuth Hinz, Willi Hass, Ernst Kappelmann, Herbert Stettin, Horst Volpert, Horst Maaß und Dieter Jacobsen geprägt. Trainer Franz Möck führte zahlreiche Kämpfer zu Meisterehren.

In den 1970er- und 1980er-Jahren standen unter anderem Peter Lutz, Ali Geyik und Torsten Steinbeck für die sportliche Qualität der Abteilung. Thorsten Spürgin, der 1976 bei der SV Polizei mit dem Boxen begann, wurde zehnmal Hamburger Meister, zweimal Deutscher Meister und mehrfach Deutscher Vizemeister. Er gehörte der Nationalmannschaft an und boxte international für Deutschland.

1990er–2008

Hamburger Spitze, Ligaboxen und Nachwuchserfolge

Mit einer starken Generation um Jakov Terskich, Andreas Hergert, Yavuz Keles, Sven Frahm und Anatoli Hoppe festigte die SV Polizei ihre Stellung im Hamburger Boxsport. Kooperationen mit Sparta Flensburg, Wismar und vor allem dem SV Motor Babelsberg ermöglichten Einsätze in Oberliga und Bundesliga.

2002 war die SV Polizei zum siebten Mal in Folge der erfolgreichste Verein bei den Hamburger Seniorenmeisterschaften. Jakov Terskich, Andreas Hergert, Anatoli Hoppe und Sven Frahm gewannen ihre Gewichtsklassen. Hoppe wurde außerdem Norddeutscher Meister. 2003 verteidigte er den Nordtitel und gewann Bronze bei der Deutschen Meisterschaft.

2004 holte die Abteilung vier Hamburger Meistertitel, stellte erneut das erfolgreichste Team und gewann den Walter-Steinbeck-Wanderpokal zurück. Rund 700 Zuschauer erlebten das Finale in der Haubachstraße. 2005 wurde Anatoli Hoppe Deutscher Vizemeister. 2008 gewann Backi Mustafov den Deutschen Kadettentitel bis 57 Kilogramm; Vanessa Overmann wurde Norddeutsche Vizemeisterin.

2009–2013

Nachwuchsarbeit und neue Wege

Die Archivberichte zeigen ab 2008/09 eine zunehmend sichtbare Mädchen- und Frauenarbeit. Namen wie Vanessa Overmann, Ebru Yildiz und Samira Hosseinian stehen für diese Entwicklung. Zugleich wurde die Nachwuchsarbeit systematisch ausgebaut.

Zum 90-jährigen Vereinsjubiläum richtete die Abteilung 2010 in ihrer „Wohnstube“ an der Haubachstraße eine Jugendmatinee mit 16 Kämpfen aus. Anatoli Hoppe beendete seine aktive Laufbahn und wechselte dauerhaft in die Trainerrolle. Gemeinsam mit weiteren Lizenztrainern gab er seine Erfahrung an die nächste Generation weiter.

Peter Kadiru gewann 2011 den Ostseepokal in Stralsund, 2012 das bundesweite Turnier „Olympische Hoffnung“ in Wismar und 2013 die Deutsche Juniorenmeisterschaft im Superschwergewicht. Im selben Jahr übernahm Ömrü Özkan das Amt des Sportwarts der Abteilung.

2014–2019

Von Hamburg auf die internationale Bühne

2014 gewann Peter Kadiru bei den Olympischen Jugendspielen in Nanjing Gold im Superschwergewicht. Im Finale besiegte er den US-Amerikaner Darmani Rock mit 3:0-Richterstimmen. Der Erfolg gehört zu den größten internationalen Meilensteinen der Vereinsgeschichte.

Auch die nächste Nachwuchsgeneration machte auf sich aufmerksam. 2018 wurde Santino Franke Deutscher U17-Meister, Maxim Kaptil gewann Bronze. 2019 bestand das gesamte Hamburger Aufgebot für die Deutsche U18-Meisterschaft aus Boxern der SV Polizei: Santino Franke, Maxim Kaptil, Luan Demaj und Hamza el-Ajami. Franke gewann Silber, el-Ajami Bronze.

Parallel blieb die Abteilung ein wichtiger Baustein des Hamburger Leistungssports. Lizenzierte Trainer, die Nähe zum Landesstützpunkt und die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Boxverband eröffneten Talenten Wege von den ersten Technikübungen bis zu nationalen und internationalen Aufgaben.

2020–2023

100 Jahre, Olympia und deutsche Titel

2020 blickte die Boxabteilung auf ein Jahrhundert Vereinsgeschichte zurück. Die Jubiläumszeit fiel in die Corona-Pandemie, die Training und Wettkämpfe zeitweise stark einschränkte. Der Gesamtverein wurde für sein mehr als hundertjähriges Wirken mit der Sportplakette des Bundespräsidenten ausgezeichnet.

2021 qualifizierte sich Ammar Riad Abduljabbar, der für die SV Polizei boxte, beim europäischen Turnier in Paris für die Olympischen Spiele in Tokio. Dort erreichte er nach einem Auftaktsieg das Viertelfinale und belegte im Schwergewicht den fünften Platz.

2022 brachte der Abteilung ein außergewöhnliches Ergebnis bei der Deutschen Elite-Meisterschaft in Rostock: Nina Radovanovic wurde Deutsche Meisterin bis 52 Kilogramm, Emanuel Odiase gewann Gold im Superschwergewicht und Julia Spieß Bronze bis 75 Kilogramm. 2023 gewann Ammar Abduljabbar beim traditionsreichen Bocskai Memorial in Ungarn Bronze bis 92 Kilogramm.

2024–2026

Tradition mit Zukunft

Mit Meryem Caliskan setzte sich die Erfolgsgeschichte im Frauen- und Nachwuchsboxen fort. Ihr Weg führte von den ersten Trainingseinheiten in der Haubachstraße über Hamburger und norddeutsche Titel bis zu Deutschen Meisterschaften. Bei der Deutschen U19-Meisterschaft 2024 gewann sie Gold bis 50 Kilogramm.

Die Haubachstraße blieb zugleich ein bedeutender Veranstaltungsort. 2024 fanden dort Halbfinale und Finale der Hamburger Elite-Meisterschaften statt. 2025 kehrten die Titelkämpfe erneut in die traditionsreiche Halle zurück; Mahmud Ahmed gewann für die SV Polizei den Hamburger Meistertitel bis 85 Kilogramm.

Am 11. Juli 2026 erhielt Peter Kadiru in Moskau kurzfristig die Chance auf den WBA-Weltmeistertitel im Schwergewicht. Titelverteidiger Murat Gassiev gewann nach Abbruch durch Kadirus Ecke in Runde sechs. Dass ein Boxer, dessen Weg in der Haubachstraße begann, um einen großen Weltmeistertitel kämpfte, unterstreicht die nachhaltige Bedeutung der Nachwuchsarbeit.

Heute trainieren in der Haubachstraße Mädchen und Jungen sowie Frauen und Männer ab zwölf Jahren. Zehn lizenzierte Trainerinnen und Trainer begleiten Einsteiger, Nachwuchstalente und Wettkämpfer. Ömrü Özkan führt die Abteilung als Vorsitzender und Sportwart; Frank Merckens verantwortet Finanzen und Jugend.

SV Polizei Hamburg Boxen – seit 1920 in Bewegung, seit 1952 zu Hause in der Haubachstraße.

SV Polizei Hamburg Boxen im Jahr 2026

Heute bietet die Abteilung olympisches Boxtraining für Mädchen und Jungen sowie Frauen und Männer ab zwölf Jahren an. Trainiert wird dienstags und freitags von 18:00 bis 19:30 Uhr in der Boxsporthalle Haubachstraße 62. Zehn lizenzierte Trainerinnen und Trainer begleiten Einsteiger, Nachwuchstalente und Wettkämpfer.

Ömrü Özkan führt die Abteilung als Vorsitzender und Sportwart. Frank Merckens ist Schatzmeister und Jugendwart. Die Abteilung gehört dem Hamburger Amateur-Boxverband und dem Deutschen Boxsport-Verband an.

Die Haubachstraße bleibt das Herz der Abteilung. Sie ist Trainingsort, Wettkampfstätte und Erinnerungsraum. Ihre Sicherung und Modernisierung ist deshalb ein zentrales Anliegen für die kommenden Generationen.

Tradition bedeutet für die SV Polizei Hamburg Boxen nicht, in der Vergangenheit zu bleiben. Sie bedeutet, Erfahrung weiterzugeben und neue sportliche Wege zu öffnen.